2026-07-03 06:55Pressrelease

Vom Tipi bis zum Floating Home – wie Sachsen-Anhalt Camping neu erfindet

Bergwitzsee Resort Camping und Caravaning. Foto: Steven SchwanzBergwitzsee Resort Camping und Caravaning. Foto: Steven Schwanz

Camping in Sachsen-Anhalt ist längst mehr als nur Vorzelt, Klappstuhl und Stellplatznummer. Zwischen Harzgipfeln, Weinbergen, UNESCO-Welterbe und den großen Flusslandschaften der Elbe, Saale, Unstrut und Havel ist eine neue Art des Reisens entstanden: naturnah, flexibel und überraschend komfortabel. Schäferwagen am Flussufer, schwimmende Ferienhäuser auf Seen, Schlaffässer am Wasser oder Übernachtungen direkt zwischen Weinreben. Naturerlebnis und Komfort schließen sich dabei längst nicht mehr aus.

Morgens kurz nach sechs an der Unstrut. Nebelschwaden ziehen über das Wasser. Die ersten Sonnenstrahlen brechen durch die Baumkronen. Ein Camper öffnet die Tür seines Schäferwagens, wenige Meter vom Ufer entfernt. Nebenan wird ein Kajak zu Wasser gelassen. Das einzige Geräusch ist das leise Plätschern der Paddel. Camping in Sachsen-Anhalt klingt heute oft genau so.

Zwischen Altmark, Harz und Saale-Unstrut hat sich in den vergangenen Jahren eine neue Campingwelt entwickelt. Eine, in der Familienurlaub, Mikroabenteuer, Nachhaltigkeit, Kulturreisen und Naturerlebnisse zusammenfinden. Wer hier unterwegs ist, kann morgens durch Weinberge wandern, mittags auf einem Fluss paddeln und abends vor dem Zelt sitzen – mit Blick auf einen See, eine Burg oder den Brocken.

Schöner draußen schlafen

Die Zeiten, in denen Camping automatisch Luftmatratze, Gemeinschaftsdusche und Rückenschmerzen bedeutete, sind vorbei. Glamping – die Verbindung von Glamour und Camping – gehört längst zu den wichtigsten Trends der Branche. In Sachsen-Anhalt zeigt sich dieser Wandel besonders vielfältig. Am Bergwitzsee bei Wittenberg treiben moderne Floating Homes auf dem Wasser. Dort, wo früher Braunkohle gefördert wurde, verbringen heute Urlauber ihre Nächte auf einem ehemaligen Tagebausee. Wer morgens die Terrassentür öffnet, blickt direkt aufs Wasser.

Ganz anders, aber nicht weniger besonders, geht es am Bremer Teich im Harz zu. Zwischen hohen Bäumen und dem glitzernden Badesee stehen Schlaffässer, Lodgezelte und sogenannte Pods – kleine Holzhäuser mit überraschend viel Komfort. Das Lagerfeuer knistert, Kinder laufen barfuß über die Wiese, während Erwachsene den Tag am See ausklingen lassen. Auch in Höhnstedt, mitten im größten Weinanbaugebiet Sachsen-Anhalts, entstehen neue Campingerlebnisse. Auf dem Weingut Herboldt dürfen Gäste ihre Zelte direkt zwischen den Reben aufschlagen. Luxus sucht man hier vergeblich. Strom gibt es nicht, Duschen auch nicht. Dafür wacht man mit Blick auf die Weinberge auf und erlebt das, wonach viele Reisende heute suchen: Einfachheit und Entschleunigung. „Viele Gäste wollen heute nicht mehr möglichst viel erleben, sondern möglichst intensiv“, sagt Winzer Hendrik Herboldt. „Sie suchen Orte, die sie sonst nicht finden würden. Hier finden sie vor allem Ruhe, die Nähe zur Natur und die Möglichkeit, bewusst einen Gang herunterzuschalten.“

Harz - Camp Bremer Teich. Foto: Jan Arndt

Harz - Camp Bremer Teich. Foto: Jan Arndt

Genau darum geht es auch auf der Zeltwiese Löbejün im Saalekreis. Autos bleiben draußen, Parzellen gibt es nicht. Stattdessen freie Platzwahl auf einer Streuobstwiese. Hühner laufen über das Gelände, Kinder verschwinden Richtung Baumhaus und Kletterer machen sich auf den Weg zum nahen Aktienbruch. „Camping bedeutet für uns nicht Verzicht, sondern Freiheit“, meint Betreiber Michael Silbereisen. „Wer hier ankommt, merkt schnell, wie wenig man eigentlich braucht.“

Abenteuer direkt vor der Zelttür

Dass Camping heute oft mehr Erlebnis als Übernachtungsform ist, zeigt sich entlang von Saale und Unstrut. Beim Veranstalter Outtour in Kirchscheidungen schlafen Gäste in Tipis oder Schäferwagen direkt am Flussufer. Am Morgen starten viele direkt vom Campingplatz zur Kanutour. Die Unstrut gehört zu den beliebtesten Wasserwanderrevieren Mitteldeutschlands. Hier beginnt das Abenteuer nicht erst nach der Anreise – es beginnt vor der eigenen Unterkunft.

Ähnlich präsentiert sich der Campingplatz an der Rudelsburg bei Bad Kösen. Eingebettet zwischen Weinbergen und dem Flusslauf der Saale verbindet er Naturerlebnis, Aktivurlaub und regionale Genusskultur. Direkt am Ufer warten Kajaks und Schlauchboote auf Ausflüglerinnen und Ausflügler, während sich oberhalb die charakteristischen Weinberge der Saale-Unstrut-Landschaft erstrecken. „Unsere Gäste möchten die Gegend nicht nur durchqueren, sondern sie wirklich erleben“, weiß Betreiberin Jana Schreiber. „Viele reisen zum Campen an und entdecken dabei ganz nebenbei die Weine, kulturellen Angebote und die besondere Landschaft unserer Heimat.“

OUTTOUR - Stell- & Campingplatz an der Unstrut. Foto: Lukas Nitschke

OUTTOUR - Stell- & Campingplatz an der Unstrut. Foto: Lukas Nitschke

Im Trend: ungestörter Familienurlaub

Besonders deutlich wird der Wandel des Campinggefühls beim Familiencamping. Wer vom Elberadweg – einem der beliebtesten und längsten Radfernwege Europas – nach Bertingen abbiegt, landet auf einem Platz, der seine Philosophie schon seit Jahrzehnten offen formuliert. In der Campingplatzordnung steht ein Satz, der inzwischen Kultstatus hat: „Stört Sie Kinderlachen? Sagen Sie es uns. Wir machen Ihnen die Rechnung für die Abreise fertig.“

Seit 30 Jahren gibt es den Platz inzwischen. Was einst mit einigen Tipi-Zelten begann, ist heute ein Familiencampingplatz mit Naturbadeteich, Silbersee, Spielbereichen und zahlreichen Aktivitäten geworden. Bogenschießen, Goldsuchen, Paddeln, Lagerfeuer – vieles erinnert an Sommerferien, wie man sie selbst als Kind erlebt hat. Vielleicht ist genau das das Erfolgsrezept. „Wir wollten einen Ort schaffen, an denen Familien unbeschwert Zeit verbringen können“, meint Betreiber Sebastian Müller.

Auch der Erlebnispark Plötzky setzt konsequent auf Familien. Zwischen mehreren Seen warten Adventure-Minigolf, Bowling, Erlebnisbauernhof, Spielplätze und Wasserspaß. Gleichzeitig liegt Magdeburg nur wenige Kilometer entfernt.

Kultur gleich um die Ecke

Besonders schön in Sachsen-Anhalt: In fast allen Campingregionen verbinden sich Natur und Kultur. Wer im Marina-Camp vor den Toren Wittenbergs übernachtet, erreicht innerhalb weniger Minuten die Schlosskirche, die Altstadt oder das Gartenreich Dessau-Wörlitz. Radfahrer rollen direkt vom Elberadweg auf den Platz.

Am Bremer Teich liegt mit Quedlinburg eine der bedeutendsten UNESCO-Welterbestätten Deutschlands praktisch um die Ecke. Das Klostercamping in Thale wiederum verbindet Harzer Natur mit Altstadtflair und den Attraktionen rund um das Bodetal.

Auch rund um den Plattensee Dannigkow wird deutlich, wie eng Natur- und Kulturerlebnis in Sachsen-Anhalt miteinander verbunden sind. Zwischen Elbwiesen und Steinbruchseen liegen die Wasserburg Gommern, das Pretziener Wehr, historische Kirchen und Stationen der Tourismusroute Straße der Romanik.

Camping Plattensee Dannigkow. Foto: Jan Arndt

Camping Plattensee Dannigkow. Foto: Jan Arndt

Wasser, Wein und Weitblick

Es sind daneben auch die Landschaften, die viele Gäste im Reiseland Sachsen-Anhalt in ihren Bann ziehen: Der Blick vom Schierker Stern auf den Brocken. Das Abendlicht über dem Arendsee. Die Weinberge am Süßen See. Die Havel, die Havelberg umschließt. Die stillen Waldseen rund um Gommern. Campingplätze sind längst zu Ausgangspunkten geworden, von denen aus ganze Regionen entdeckt werden. Davon profitieren auch die Orte selbst. Campinggäste bleiben oft mehrere Tage, besuchen Restaurants, Weingüter, Museen und Freizeiteinrichtungen. Sie kaufen regional ein und erkunden die Umgebung intensiv.

„Camping ist längst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für viele Regionen geworden“, sagt Peter Ahrens, Präsident des Bundesverbandes der Campingwirtschaft in Deutschland LV Sachsen-Anhalt. „Camping ist längst keine Übernachtungsform mehr, sondern eine Urlaubsform. Nur beim Camping ist der Gast so nah und direkt mit der Natur verbunden. Hier man die Natur riechen, schmecken und fühlen. Trotzdem muss man nicht auf den gewohnten Komfort von zu Hause verzichten. Das Angebot unserer Campingplätze reicht von einfach natürlich bis hin zu höchstem Komfort. Und wer campt, bleibt meist länger und entdeckt das direkte Umfeld, die Region und das Reiseland sehr bewusst.“

Und das ist wohl auch die eigentliche Stärke Sachsen-Anhalts als Campingland: Es geht nicht darum, möglichst schnell von einem Ort zum nächsten zu kommen, sondern darum, anzuhalten. Am Fluss. Am See. Im Wald. Zwischen Weinreben. Und manchmal reicht schon das Geräusch eines Paddels auf dem Wasser, um zu merken, dass Urlaub gar nicht kompliziert sein muss.

Autorin: Manuela Bock

Campinginsel Havelberg. Foto: Irini Sakkas

Campinginsel Havelberg. Foto: Irini Sakkas

 

Auf einen Blick – 10 Camping-Erlebnisse in Sachsen-Anhalt

Ob Floating Home auf einem See, Schäferwagen an der Unstrut, Schlaffass am Süßen See oder Camping zwischen Weinbergen: Sachsen-Anhalt zeigt, wie vielfältig Campingurlaub sein kann. Dazu kommen außergewöhnliche Naturkulissen, familienfreundliche Angebote und kulturelle Highlights direkt vor der Zelttür. Wer Inspiration für den nächsten Campingtrip sucht, findet im Reiseland Sachsen-Anhalt garantiert sein persönliches Lieblingsabenteuer.

1. Auf dem Wasser schlafen
Im Floating Home auf dem Bergwitzsee übernachten und morgens direkt aufs Wasser schauen.

2. Zwischen Weinreben campen
In Höhnstedt das Zelt mitten im Weinbaugebiet aufschlagen.

3. Im Schäferwagen nächtigen
An der Unstrut eine besonders gemütliche Alternative zum Zelt erleben.

4. Sauna mit Brockenblick
Nach der Wanderung in der Fasssauna in Schierke entspannen.

5. Insel-Camping in der Havel
Auf einer echten Flussinsel bei Havelberg Natur pur genießen.

6. Im Schlaffass übernachten
Am Süßen See Campinggefühl mit extra Komfort verbinden.

7. Autofrei abschalten
Auf einer nachhaltigen Zeltwiese Ruhe und Entschleunigung finden.

8. Zwischen 26 Seen urlauben
Im Erlebnispark Plötzky Baden, Radfahren und Natur erleben.

9. UNESCO-Welterbe sehen
Vom Harz aus die Welterbestadt Quedlinburg entdecken.

10. Mit der Familie genießen
In Bertingen jede Menge Platz zum Spielen und Entdecken finde – und die Nutzung aller 30 Spielmöglichkeiten ist im Übernachtungspreis inbegriffen.

Alle Angaben ohne Gewähr.

 

Fotos: https://reiseland.sachsen-anhalt-bilder.de/collections/1207468003/media

BVCD LV Sachsen-Anhalt)


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